Im September verbrachte ich nach über 15 Jahren mal wieder ein Wochenende in Kaiserslautern und frage mich seitdem, was mich damals an dieser Stadt (außer einer guten Freundin) so faszinierte. Aber der Reihe nach: Wenn man mit dem ICE in Kaiserslautern einfährt (mein ICE schaffte die Strecke Mannheim-Kaiserslautern haargenau neun Minuten schneller als die S-Bahn!!!!) gelangt man zuerst in eine wirklich winzige Bahnhofshalle mit einem Lokal, einem Buchladen, dem DB-Reisezentrum und dem DB-Servicepoint. Dieses Servicepoint (knappe 4m²) ist zudem ausgeschrieben als Außenstelle der Tourist-Info: Die einzige Info, die der arme Servicemitarbeiter mir jedoch geben konnte, war die Wegbeschreibung zur richtigen Touri-Info! Verlässt man nun dieses niedliche Bahnhofsgebäude, so gelangt man auf einen geradezu monumentalen – und komplett ausgestorbenen – Busbahnhof. Ich habe es wirklich nicht geglaubt: Es war ein Freitag außerhalb der Schulferienzeit um kurz nach elf Uhr und der Busbahnhof war gähnend leer. Ich bin dann dem Ratschlag des Servicemitarbeiters gefolgt und bin zu Fuß zur Touri-Info in die Stadt gegangen. Meine Frage nach den interessantesten Sehenswürdigkeiten der Stadt beantwortete man mir in dieser Reihenfolge: Der Betzenberg (nicht nur ein Fußballstadion sondern anscheinend das kulturelle Zentrum einer ganzen Region), der Japanische Garten (siehe gesonderten Bericht), das neue Rathaus (Stahlbetonarchitektur der 60er Jahre, aber mit 84m Höhe das größte Haus der Gegend), die Kaiserpfalz (nur noch wenige Mauerreste erinnern an die gute alte Zeit), das neue Pfalztheater und die Stiftskirche (beides wirklich sehenswert) sowie den St. Martins Platz mit der dazugehörigen St. Martins Kirche. Als ich es dann noch wagte nach Veranstaltungen für den Abend zu fragen, bot die Mitarbeiterin an mir Karten für Frankfurt oder Mannheim zu besorgen – das seien die nächstgelegenen Städte mit einem abendlichen Kulturangebot! Ob man als städtischer Arbeitgeber solche Mitarbeiter verklagen oder zumindest abmahnen kann? Der St. Martins Platz ist übrigens wirklich sehr gut zum draußen sitzen, essen, trinken und entspannen geeignet!

Den Rest des Freitags und den halben Samstag verbrachte ich dann also wirklich mit dem Bummeln durch die Fußgängerzone und dem Besichtigen der aufgezählten Sehenswürdigkeiten.  Am frühen Samstag Nachmittag verwandelte sich die Innenstadt auf einmal in ein rotes Fahnenmeer und es begann eine regelrechte Völkerwanderung zum „Betze“ – dem Austragungsort der Heimspiele des lokalen Fußballvereins. Was mich jedoch äußerst positiv überraschte war die absolut friedliche Feierstimmung, die mehr an Familienfeste denn an Fankrawalle erinnerte. Ich habe wirklich selten so viele junge Familien und auch Frauengruppen zu einem Fußballspiel gehen sehen wie hier. Da ich selber nun aber relativ wenig Interesse an Fußball habe, beschloss ich ins Kino zu gehen – leichter gesagt als getan, denn am Wochenende gibt es so gut wie keine Busverbindung zum Kino, das man extra im Randbezirk der Stadt auf der Grünfläche angesiedelt hat. Wahrscheinlich war man der Meinung, dass Leute, die sich die horrenden Eintrittspreise leisten können, eh mit ihrem eigenen Auto anreisen! Am Sonntag besichtigte ich nach dem Frühstück noch den Wadgasserhof (ehemaliger Adelswohnsitz mit viel Stuck, Putten, Ornamenten etc.) und den Kaiserbrunnen (hier hat es ein Künstler wahrlich geschafft Kaiser Barbarossa und Opel in einem Kunstwerk zu verbinden..:)), bevor es dann mit dem Zug wieder gen Norden ging.

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