Unglaublich, aber wahr: Eine Woche Tunesien in einem angeblichen Vier-Sterne-Hotel all inclusive im Juni von Hamburg aus für unter 300€! Was man von so einem Angebot halten kann? Hier der Erlebnisbericht!

Die Anreise verlief komplett problemlos. Von Kiel aus mit dem Zubringerbus zum Hamburger Flughafen, dann wenige Stunden im Flieger, eine unkomplizierte Einreise nach Tunesien und im Empfangsbereich des Flughafens wartete schon eine freundliche Dame des Reiseveranstalters. Von dieser erfuhren wir welcher Bus uns zum Hotel bringen würde und stiegen dort ein. Nach ner knappen Viertelstunde setzte sich der Bus dann in Bewegung und eine weitere Mitarbeiterin des Reiseunternehmens begrüßte alle noch einmal, erzählte so einiges über das Land, was eigentlich jeder schon wußte, überreichte uns schlußendlich einige Hochglanzprospekte mit den Angeboten für dazubuchbare Tagesausflüge und verabschiedete sich dann mit den Worten, dass sich um alles weitere ab morgen die Reisebetreuerin vor Ort kümmern würde.

Der erste Eindruck vom Hotel war auch noch ganz okay. Der Mitarbeiter an der Rezeption sprach leidlich deutsch und englisch und der Check in verlief ohne Komplikationen. Die erste Ernüchterung dann im Zimmer: Es war recht klein, altmodisch und nicht gerade gemütlich, die Tür zum Bad liess sich nur mit purer Gewalt schliessen und im Bad suchte man Kosmetikartikel ebenso vergebens wie einen Fön. Bis dahin dachten wir uns noch nichts dabei – wir hatten ja eh nicht vor zuviel Zeit im Hotelzimmer zu verbringen.

Das Frühstücksbüffet am Morgen war mäßig, aber noch okay – etwas schockierend war dann eher noch der Anblick der anderen Gäste, die bereits morgens um Neun mit Bier und anderen Alkoholika an der Bar hingen oder sich beim Essen komplett daneben benahmen. Lang lebe all inclusive..:) Noch schlimmer dann das Abendessen: Nicht nur, dass es überhaupt sehr schwierig war, einen Platz zu erhalten. Das weitaus größere Problem war dann auch noch an ein geeignetes Besteck zu gelangen! Nicht hinsehen durfte man auch beim Versuch der „Kellner“, die Tische oder das auf den Boden gefallenen Besteck zu reinigen, da wurde einem dann schon ganz anders..:) Nur als Randnotiz: Das Essen schmeckte auch recht merkwürdig und zumindest nur sehr wenig arabisch..:)

Der nächste Schock kam im Gespräch mit der lokalen Reisebtreuerin. Wir hatten uns so einige Tagesausflüge herausgesucht, die uns interessierten und zu denen wir noch einige Fragen hatten. Die lapidare Antwort der guten Frau war „diese Touren bieten wir schon seit langem nicht mehr an – gab einfach nie genug Nachfragen!“ Stattdessen hätten wir eine Tour auf einem sogenannten Piratenschiff mit einer Rotwein-Flatrate buchen können – na Prost Mahlzeit! Zu allem Überfluss wurden wir auch noch die ganze Zeit im Hotel von einem schrecklichen Möchtegern-Animateur, der aus irgendeinem Grunde gezwungen wurde sich stets als Baby zu verkleiden, belästigt.

Wenn man die Hotelanlage und die dazugehörigen Straßenabschnitte der Kategorie „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ aber erst einmal hinter sich gelassen hat – ja, dann wird Tunesien richtig nett. Wir haben also einige Ausflüge per Bus entweder selbst oder über andere Reiseanbieter vor Ort organisiert und sind auf diese Weise doch noch nach Hammamet, Kairouan und El Djem gekommen. Vor allem die große Mosche in Kairouan (die viert- oder fünftheiligste Stadt des Islam) und das römische Theater in El Djem sind absolut sehenswert. Zudem bekommt man im Besucherzentrum von Kairouan noch einen wunderbaren Propagandafilm zum Thema Islam gezeigt – allein das ist schon die Reise wert.

Fazit:  Eine all inclusive – Pauschalreise ist sicherlich die einfachste, bequemste und vor allem preiswerteste Möglichkeit um ins Land zu kommen, man braucht dann aber schon einiges an Eigeninitiative und auch Hartnäckigkeit um Land und Leute kennenzulernen.

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