Während unseres letzten Tagesausfluges – natürlich wieder unter der wunderbaren Leitung von Natascha – konnten wir endlich mal sowas wie Massentourismus im Libanon erleben. Anstatt wie sonst immer mit nem netten Kleinbus und zwei bis fünf Mitreisenden fuhren wir diesmal mit einem Bus mit 48 bis auf den letzten Platz ausgebuchten Sitzen.  Den Großteil bildete eine Gruppe indischer Businessmen, die eigentlich beruflich in Dubai waren und sich nun einmal den Nahen Osten in drei Tagen gaben – ein Tag davon war heute mit uns im Libanon!! Außerdem begleitete uns ein deutscher Geschäftmann, der verzweifelt versuchte, seinen drei heranwachsenden Töchtern ein wenig Kultur beizubringen – aber die spielten lieber mit ihren Handys und allen möglichen kleinen Elektrogeräten als den Vorträgen des Herrn Papa zu lauschen – sehr amüsant das zu beobachten.

Auch wettertechnisch war dieser Tag ganz anders als all die anderen – zum Einen goß es wie aus Kübeln und zum Anderen wehte ein Wind, den selbst wir eingefleischten Küstenbewohner nur noch als mittelmäßigen Sturm bezeichnen konnten. Komplett durchnässt im Bus angekommen machten wir uns also gutgelaunt auf den Weg zur Grotte von Jeita. Zwar nicht so sehenswert und groß wie einige der schönen slowenischen Grotten – doch laut libanesischen Fremdenverkehrsamt ein echtes Weltwunder..:)). Naja, mir kam es mehr vor wie ein Rummelplatz: Die Anlage besteht aus einem Zoo, der sich – ähnlich wie die ihn bewohnenden armen Kreaturen – in einem erbärmlichen Zustand befand, einem Kinderspielplatz inkl. Flugsimulator für die etwas größeren Kinder, einigen Restaurants und etlichen Souvenirshops. Vom Eingangsbereich aus fuhren wir mit einer Seilbahn in die obere Grotte, besichtigten diese und fuhren dann mit einer Bimmelbahn für Kinder bergab in die untere Grotte, in der wir dann eine mehrminütige Bootsfahrt unternahmen.

Weiter ging es dann nach Jbeil, dem ehemaligen Byblos, mit seinen fantastischen Ausgrabungen. Byblos gilt als die älteste Stadt des Landes und soll angeblich bereits vor über 7000 Jahren gegründet worden sein. Wie auch immer – auf alle Fälle war die Stadt um 3000 v.Chr. die bedeutendste Stadt des Landes, über die fast der gesamte Seehandel mit den ägyptischen Pharaonen abgewickelt wurde. Zedern- und Eichenholz im Austausch gegen Papyrus, Gold und Leinen bescherten Byblos einen unglaublichen Wohlstand. Auch Kreuzfahrer, Griechen und Römer verewigten sich noch hier bis die Stadt dann gegen 600 n.Chr. so langsam in die Bedeutungslosigkeit fiel und erst von französischen Archäologen in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wiederbelebt wurde. In den Kriegsjahren 1975 bis 1990 profitierte Byblos sozusagen vom Niedergang Beiruts und gewann wieder an Bedeutung als Hafen- und Handelsstadt am Mittelmeer. Besonders sehenswert ist der Blick auf den tausendjährigen Naturhafen der Stadt und die Besichtigung der phönizischen Anlagen.

Nach soviel Kultur galt es dann aber erst einmal den größten Hunger zu stillen und so fuhren wir mit der gesamten Truppe nach Batroun und genossen dort in einem direkt am Meer gelegenen Restaurant sehr leckeren Fisch. Einen ganz speziellen Reiz hatte die Tatsache, dass sich immer wieder hohe Wellen an den Restaurantmauern brachen und man einen tollen Blick auf die enorme Brandung hatte. Da machte es fast nichts mehr aus, dass es immer noch in Strömen regnete und unser Busfahrer sich schon Gedanken machte wie wir wieder heil nach Beirut kommen sollten, schliesslich sahen wir auf unserer Busfahrt schon die ersten von Schlamm- und Geröllmassen gesperrten Straßen. Irgendwie schaffte es unser Busfahrer aber doch, dass wir noch gut nach Harissa, der Hochburg des Katholizismus im Libanon, kamen. Hier befinden sich der Sitz der apostolischen Nuntiatur im Libanon, das maronitische Patriarchat sowie das syrisch-katholische Patriarchat. Außerdem gibt es hier etliche Klöster der verschiedenen katholischen Glaubensrichtungen und als Wahrzeichen des Ganzen eine riesige Marienstatue, von der aus man einen tollen Blick auf Jounieh und das Kasino hat. An diesem Tag war der Ausblick allerdings aus einem anderen Grund absolut einmalig: Normalerweise blickt man von hier einfach nur auf wunderschönes azurblaues Wasser, aber nun war dank des Regens das komplette Küstenwasser schlammbraun gefärbt und man konnte erahnen welche Erdmassen aus den Gebirgen ins Tal geschwemmt wurden. Dementsprechend gestaltete sich auch unsere Rückfahrt ein wenig langwieriger als geplant, da auch auf der ansonsten wirklich gut ausgebauten Küstenautobahn nur noch ein Fahrstreifen befahrbar war.

Am Ende des Tagesausfluges verabschiedeten wir uns ganz herzlich von Natascha, die wir im Laufe der Woche wirklich sehr schätzen gelernt hatten und beantworteten ihre Frage ob wir nochmal gen Libanon fahren würden mit einem ganz klaren „JA!!“.

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