Die erste Hälfte unseres vorletzten Tagesausfluges, den wir wieder mit Natascha verbringen durften, führte uns quer durch Beirut. Angefangen mit dem Märtyrerplatz, der dem gemeinsamen Kampf der Libanesen und Syrer gegen die Türken gewidmet ist, und der Grabstätte des früheren Ministerpräsidenten Hariri, der ja zusammen mit einigen seiner  Leibwächter vor wenigen Jahren einem Mordanschlag zum Opfer fiel, ging es weiter zu verschiedenen Moscheen und Kirchen bevor wir uns dann um die älteren Reste der Stadt kümmerten und einige Ausgrabungen besuchten. Den Abschluss des Beirut-Programms bildete der Besuch des wirklich sehenswerten Nationalmuseums. Schade nur, dass wir diesen Ausflug zum Ende des Urlaubs hatten und insofern schon alles kannten, was Natascha uns zeigte..:))

Nach dieser halbtägigen Beirutbesichtigungstour fuhren wir zum Mittagessen nach Deir el Qamar, der Stadt, die vor Beiteddine Hauptstadt war. Alle wichtigen historischen Gebäude der Stadt liegen am Midan, dem großen Platz in der Stadtmitte. Hier findet man das Mausoleum des Emir, die größte Moschee und die größte Kirche der Stadt, den Palast und das Waffenlager und auch das eine oder andere leckere Restaurant. Ein besonderer Anziehungspunkt für libanesische Touristen ist der Palast des Emir Ahmed Chebab, in dem sich momentan ein Wachsfigurenkabinett befindet. Es ist toll zu sehen wie stolz libanesische Eltern hier Fotos von ihren Kindern auf dem Schoß oder den Schultern ehemaliger und aktueller Kriegsherren machen. Wem die Gesichter nichts sagen – und das dürfte ziemlich jedem Westeuropäer ähnlich wie mir so gehen – der kann sich zumindest anhand der klassischen libanesischen Farbenlehre orientieren: Gelb steht für die Hizbollah, Grün für die Schiitenpartei Amal, Blau für die Zukunftspartei Hariris und Orange trägt der berühmt-berüchtigte Christenführer Aoun. Beim Mittagessen lernten wir dann unsere kleine aber feine Reisegruppe ein wenig besser kennen: Ein nettes Honeymoonpäarchen aus Jordanien – arbeiten natürlich beide in Saudi-Arabien – und eine us-amerikanische Juristin, die momentan ehrenamtlich ein Jahr lang für Human Right Watch in Damaskus arbeitet.

Auf dem Weg nach Beiteddine machten wir noch einen kurzen Zwischenstop beim sogenannten Schloss des Herrn Moussa – eher eine Burg denn ein Schloss, aber was soll`s! Der gute Mann, der wohl aus ärmlichen Verhältnissen stammte hat 35 Jahre an diesem Schloss gearbeitet und sich damit einen skurillen Kindheitstraum erfüllt. Im Inneren birgt das Gebäude ein Panoptikum obskurster Gegenstände und natürlich die klassischen Wachsfiguren..:) Angeblich stellen all diese Requisiten das typische Leben eines Durchschnittslibanesen dar.

Zum Abschluss gab es dann das absolute Highlight des Tages – den Palast von Beiteddine. Dieser Palast, der von 1804 bis 1840 erbaut wurde und zu den touristischen Hauptattraktionen des Libanon zählt, ist seit der Unabhängigkeit des Libanon im Jahre 1943 nach wie vor die Sommerresidenz des libanesischen Präsidenten und beherbergt einige wirklich wunderschöne Mosaiken. Zudem ist der Palast architektonisch durch seine tollen Erker, Innenhöfe, Treppen, Bäder u.v.m sehr interessant. Im Sommer muss auch der akurat angelegte Garten sehr schön anzuschauen sein. Ironie der Geschichte ist wohl die Tatsache, dass der Emir, der diesen Palast bauen ließ und damit die Hauptstadt von Deir el Qamar nach Beiteddine verlegte, mit Vollendung des Bauwerkes 1840 von den Osmanen besiegt und ins Zwangsexil geschickt wurde. Der Palast wurde dann zum osmanischen Regierungssitz umgewandelt und nach dem ersten Weltkrieg von den Franzosen für ihre Verwaltung benutzt.

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