Bereits einen Tag nach unserem Ausflug ins Qadisha-Tal haben wir unsere Reiseleiterin Cedra auf dem Parkplatz vor dem Reisebüro Nakhal wiedergesehen. Sie begrüßte uns herzlich und stellte uns dann ihrer besten Freundin Natasha vor, die an diesem Tag unsere Reiseleiterin für Baalbek und die Beqaa-Ebene war. Diesmal begleitete uns ein etwas introvertiertes Päarchen von den Phillipinen und eine saudische Mama mit ihrer knapp 20jährigen Tochter. Beide Damen ganz klassisch mit Kopftüchern bedeckt und immer für ein nettes Gespräch zu haben. Die Tochter erzählte, dass sie für ein amerikanisches Armee-Krankenhaus in der Nähe von Riad als Übersetzerin arbeite und ihr Vater „mache in Öl“ – dem Einkaufsverhalten und dem Outfit nach zu beurteilen macht der Papa wohl recht viel Kohle aus dem Öl!!

Nun aber zur Tour: Von Beirut aus nimmt man die Hauptstraße nach Damaskus und fährt erstmal etliche Kilometer gen Syrien. Nachdem man die ersten Passhöhen überquert hat und wieder im Tal ist, befindet man sich bereits in der Beqaa-Ebene, die direkt zwischen den beiden Gebirgszügen Libanon und Antilibanon (heißt wirklich so..) liegt.  Hier befinden sich die beiden bekanntesten Weinanbaugebiete des Libanon: Ksara und Kefraya.

Wir besuchten das „Chateau de Ksara“ und waren von der dortigen Führung und Weinprobe wirklich angenehm überrascht. Zudem war es einfach köstlich unsere Reisegruppe zu beobachten: Die beiden saudischen Damen saßen natürlich ein wenig abseits und tranken ganz glaubensgemäß ihren Tee, die Phillipina versuchte anscheinend hemmungslos sich zu betrinken und orderte von allen Proben immer einen Nachtrank, ihrem Begleiter schien das ganze ein wenig peinlich zu sein und wir beide waren anscheinend morgens um kurz nach 10:00 Uhr nicht in der richtigen Stimmung um Wein zu trinken. Naja, Hauptsache, wir hatten alle unseren Spaß! Nach diesem Ausflug in die libanesischen Weinberge ging es zu einem der absoluten Höhepunkte jeder Nahostreise – die Ruinen von Baalbek!

Was es hier zu besichtigen gibt ist eine über 2000 Jahre alte römische Tempelanlage mit den drei Haupttempeln für Jupiter, Venus und Bacchus, die auf den Ruinen einer über 4000 Jahre alten phönizischen Tempelanlage errichtet wurde. Und gerade das ist so ungeheuer typisch für den Libanon: Jeder, der dieses Land einmal beherrscht hat – und das waren mit Phöniziern, Römern, Griechen, Kreuzfahrern, Arabern, Türken Umayaden, Franzosen und etlichen anderen in den diversen Jahrhunderten ja so einige – hat seine Kultstätten auf den Resten der vorherigen aufgebaut. So verwundert es auch nicht, dass man Steine aus dem Jupitertempel in der Außenwand der danach errichteten Basilika wiederfindet..:) Die gesamte Anlage ist noch recht gut erhalten und absolut faszinierend. Der Besuch beginnt im wirklich monumentalen Eingangsbereich (Propyläum), der mit einer großen und unglaublich breiten Treppe und einigen riesigen Säulen aufwartet. Von hier aus gelangt man über drei Durchgänge in den Vorhof, der auch noch Allen offenstand und der Meditation dienen sollte bevor es dann endgültig Richtung Heiligtum ging. Nur wer den „richtigen“ Glauben hatte durfte dann den großen Vorhof mit den Opferstätten betreten und von dort aus dann weiter in das Allerheiligste, den Jupitertempel. Die über 20m hohen Säulen dieses Tempels sind schon von  weitem sichtbar und gelten als das Wahrzeichen von Baalbek. Besonders schön erhalten ist der kleinere Tempel, der dem Gott Bacchus geweiht war. Das es hier in der fruchtbaren und für den Weinanbau genutzten Beqaa-Ebene einen wunderschönen Tempel für diesen Gott geben mußte war ja klar.. Sehr erwähnenswert ist auch das kleine aber feine Museum von Baalbek, das u.a sehr vielsagende Schwarzweissfotos vom deutschen Kaiser Willhelm II zeigt, wie er 1898 hoch zu Roß in Baalbek einreitet.

Eine besondere Skurilität erlebten wir dann auf unserer Fahrt von Baalbek nach Anjar. Kurz hinter Baalbek hielten wir an einem ehemaligen Steinbruch an und „besichtigten“ einen der größten bearbeiteten Steine der Welt. Dieses Ungetüm hat die dezenten Maße 22*5*4 m und bringt es auf ein Gewicht von knapp über 1000to. 4000 Männer waren damals nötig um diese Steine vom Steinbruch zum benachbarten Tempelbau zu bringen – manchmal bin ich schon recht froh im Hier und Jetzt zu leben..

Während die Ausgrabungen und archäologischen Arbeiten in Baalbek – ähnlich wie in Byblos oder in den syrischen Orten Palmyra und Bosra – unter der Anleitung von ausländischen Experten (meist der Europäischen Union) erfolgten und in jeder Hinsicht hohen internationalen Standards entsprechen, so hat man die libanesischen Archäologen in Anjar leider allein gelassen – und das sieht man dieser Ausgrabungsstätte wirklich sofort an.  Obwohl die Arbeiten an dieser Ausgrabungsstätte eigentlich die einfachsten im ganzen Libanon sein sollten – es ist nämlich die einzige Stätte, in der nur eine Periode (die der Umayaden) gebaut hat und es insofern also keine komplizierten Zuordnungsprobleme geben sollte – so ist die Arbeit an diesem Ort leider gründlich misslungen.  Sowohl bei der Rekonstruktion des großen Palastes als auch bei der der Moschee sind unglaublich stümperhafte Fehler gemacht wurden, die sogar Laien wie mir sofort auffallen…. Aber schon schön zwei solche Ausgrabungen mal an einem Tag zu sehen..:)

Alles in allem war es mal wieder ein wunderschöner Tagesausflug mit netten Leuten und allerhand Sehenswertem!

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