Bei diesem Ausflug standen mit dem „Zedern-Nationalpark“ und dem Grab von Gibran in Bcharre  gleich zwei libanesische „Nationalheiligtümer“ auf dem Programm.

Aber der Reihe nach: Unsere Reisegruppe bestand diesmal lediglich aus einem 59jährigen Exil-Libanesen (der vor gut 40 Jahren auswanderte) und seiner knapp 30jährigen in London geborenen und lebenden Tochter, der der stolze Papa nun zum erstenmal ihre „Heimat“ zeigte.

Der Ausflug begann mit einer Fahrt auf der Küstenstraße gen Norden am armenischen Viertel Beiruts vorbei nach Jounieh, einer ganz besonderen Stadt in der arabischen Welt. Hier steht nämlich mit dem „Casono du Liban“ das einzige öffentlich zugängliche Spielcasino auf islamischen Boden! Zudem findet man auf und an der Corniche mehr Restaurants, Bars, Nachtclubs und Prostituierte als in der Rue Monot in Beirut!! Wenn man bedenkt, dass wir in der absoluten Off-Season reisten, dann möchte ich nicht wissen, was hier im Sommer los ist. Wohin man auch blickte – überall sah man saudische, jordanische, iranische und andere Touristen, die verzweifelt versuchten ihre Petro-Dollars an den Mann bzw. meist an die Frau zu bringen. Soviel offensichtliche Scheinheiligkeit tut manchmal schon fast weh! Zu allem Überfluss thront auf einem Berg über Jounieh die riesige Marienstaue von Harissa und scheint gleichsam über die frommen Moslems zu wachen, die sich in Jounieh der Spielsucht hingeben und dem Alkohol in unglaublichen Ausmaßen fröhnen. Echt ein Ort, an dem man stundenlang sitzen könnte um die Leute rings um einen zu beobachten – bringt mehr als jedes gutgemeinte Soziologiestudium..:)

An Byblos vorbei blieben wir auf der Küstenstraße bis nach Batroun und bogen dort ab ins Qadisha-Tal, einer wirklich wunderschönen Landschaft mit einer sehr interessanten Historie. Geschützt durch das Gebirge zu beiden Seiten war dieses Tal jahrhundertelang der Zufluchtsort der Maroniten. Man findet hier unglaublich viele Klöster und Felsenkirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Die in den Fels gehauenen Bauwerke dienten den Eremiten oft als letzte Notflucht und noch heute kann man auf den oft sehr steilen Wanderwegen viele der ehemals bewohnten Einsiedlergrotten sehen. In der Grotte des Heiligen Antonius befindet sich die älteste Druckerei des Orients – heute natürlich ein Museum. Aber das Schönste ist auf der Bergstraße einfach mal anzuhalten und die grandiose Aussicht zu geniessen.

Nach einer traumhaften Busfahrt kamen wir letztendlich in Bcharre an, einer Stadt, in der viele Häuser noch mit den typischen roten Ziegeldächern versehen sind. Von dieser Stadt aus, die auf einer Höhe von über 1400m liegt, hat man einen wunderbaren Ausblick auf  das Qadisha-Tal. Berühmt und geradezu zum Pilgerort wurde Bcharre als Geburtsort des libanesischen Dichters und Malers Gibran Khalil Gibran. Hier steht ein sehr gut besuchtes Museum mit Bildern, Bibliotheken und vor allem dem Sarg dieses libanesischen Nationalhelden. Nicht weit von Bcharre entfernt befindet sich der „Nationalpark Zedernwald“ – auch hierauf sind die Libanesen mächtig stolz. Auch wenn uns ein Nationalpark, den man in weniger als einer Stunde komplett durchwandern kann, ein wenig merkwürdig anmutet und ich irgendwie „mehr“ erwartet hatte als diese 410 Zedern (von denen 12 über 1000 Jahre alt sind) und fast genauso viele Souvenirshops. Fährt man die Straße von Bcharre aus am Zedernwald vorbei weiter so gelangt man auf Höhen von über 2000m und kann die libanesischen Skilifte und Seilbahnen (meist österreichischer Herkunft) ebenso bewundern wie die vielen Blockhäuser mit so exclusiven Namen wie „Chalet Edelweiss“ etc. Schade nur, dass wir entweder einen sehr milden Winter hatten oder die allgemeine Erderwärmung schon voll zugeschlagen hatte: Jedenfalls lagen sowohl die Chalets als auch die Skilifte komplett im Grünen und nur auf den Bergspitzen konnte man Schnee erkennen…:)

Alles in allem war es ein wunderschöner Tagesausflug, den wir nicht zuletzt dank einer wunderbaren Reiseleiterin namens Cedra geniessen konnten – with Cedra to the cedars.

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