Nachdem wir uns erst einmal zwei Tage nur in Beirut aufgehalten hatten, führte uns unsere erste Tagestour in den Süden des Landes. Wie versprochen wurden wir morgens nach dem Frühstück von einem Taxi in unserem Hotel abgeholt und zum Reisebüro gebracht. Unsere Reisegruppe für diesen Tag bestand aus einem jungen Thai-Päarchen (natürlich tätig im Textilexport), einem Ukrainer (der am Beirut-Marathon teilgenommen hatte), einer Tschechin (die als Empfangskraft in einem Hotel in Marienbad arbeitet) und einem US-amerikanischen Rentnerpaar. Schon eine sehr interessante Mischung, die viel Gesprächsstoff bot..:)

Nun aber zur Tour: Vorbei am internationalen Flughafen erreichten wir auf der Küstenstraße, von der aus man die vielen Zitronen- und Bananenplantagen sehen konnte, bereits nach knapp 50 Kilometern Saida/Sidon, die drittgrößte Stadt des Landes. Das erste, was man – von Nordend kommend – von dieser Stadt sieht ist das einheimische Fußballstadion, das direkt im Wasser zu liegen scheint – ein wirklich netter Anblick. Hauptanlaufpunkt für alle Touristen ist aber sicherlich die sogenannte Wasserfestung – eine Burg, die die Kreuzritter auf den Ruinen einer alten Tempelanlage der Phönizier im Hafen von Sidon errichtet haben und die nur über einen kleinen Damm mit dem Festland verbunden ist. Von dieser Burg aus hat man einen sehr netten Blick auf das von Palmen gesäumte Hafengebiet. Zurück auf dem Festland führte uns unsere Reiseleiterin Madeleine durch die wunderbar erhaltene Altstadt mit ihren vielen kleinen verwinkelten Gassen. Auch eine sehr schön restaurierte Karawanserei gibt es hier zu besichtigen. Besonders stolz sind die Einwohner auf ihr „Seifen“-Museum, in dem sympathische junge Damen den in- und ausländischen Touristen in einer gut halbstündigen Führung alles zum Thema „Seife“ erklären – der obligatorische Seifenshop darf dann natürlich auch nicht fehlen. Das Museum wird von der Stiftung „Audi“ getragen, die hier in Sidon noch viele ehrgeizige Pläne verfolgt. Eine Stiftungsangestellte zeigte uns z. B. die Pläne für den Bau einer 5-Sterne-Wellnessanlage für reiche Saudis, die direkt am Strand südlich von Sidon entstehen soll. Wenn man bedenkt wieviele Häuser in und um Sidon derzeit noch zerschossen sind und an wievielen UN-Straßensperren wir vorbeigekommen sind, so erscheint dieses Vorhaben doch recht gewagt.

Nach einem sehr reichhaltigen Mittagessen (sehr leckerer Fisch) in einem der vielen kleinen Restaurants direkt an der Küste führte uns der Tagesausflug dann weiter nach Tyros, einer der südlichsten Städte des Libanon, die sich – wohl nicht zuletzt auf grund der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen mit Israel – anscheinend komplett in der Hand der radikalen Hizbollah befindet. Hier beherrschen die gelben Fahnen und riesigen Plakate der „politischen“ Führer das Stadtbild. Wenn man von der Hafenpromenade aus Richtung Süden blickt, sieht man schon israelisches Gebiet. Obwohl große Teile der Stadt eigentlich durch die Haager Konventionen zum Schutz erhaltenswerter Kulturgüter bei bewaffneten Konflikten abgesichert waren, so wurde die Stadt trotzdem im Sommer 2006 mehrfach von der israelischen Luftwaffe bombardiert – selbstverständlich sind auch hier diese Auswirkungen noch überall sichtbar.

Aus historischer Sicht hat Tyros aber wirklich viel zu bieten. Ich muss gestehen, dass ich noch nie vorher ein so imposantes Hippodrom gesehen habe wie das in dieser Stadt. Im 2 JH v. Chr. erbaut bot es über 30.000 Zuschauern Platz. Noch heute finden jeden Sommer vor der gut erhaltenen Haupttribüne Open-Air-Konzerte statt. Auch die Nekropole – die „Totenstadt“ – mit vielen wunderschönen Grabstätten, Sarkophagen, den Sportstätten und vor allem dem „Triumphbogen“ ist überaus sehenswert.

Tags: , , , ,