Das mit dem Thema Sicherheit im Libanon ist gar nicht so einfach zu beantworten. Auf der einen Seite fühlt man sich als Tourist im Libanon sehr sicher und auch ziemlich unbehelligt. Es gibt weder eine Unzahl von kleinkriminellen Taschendieben (die normale Vorsicht muss man natürlich auch in diesem Land bei allen touristischen Sehenswürdigkeiten walten lassen) noch wird man ständig von straff durchorganisierten Bettlerbrigaden belästigt. Das man als Tourist, der sich einen Hotelurlaub im Libanon leisten kann, von einigen Einheimischen (gerade in den „benachteiligten“ Gebieten) automatisch als reich angesehen wird, sollte jedem klar sein.

Obwohl es glücklicherweise immerhin seit einigen Jahren keinen Bürgerkrieg mehr gibt und auch die „schweren“ Übergriffe auf Israel bzw. von Israel nach dem letzten „Konflikt“ im Südlibanon deutlich nachgelassen haben, so sind die Stadtbilder dank vieler Einschusslöcher bzw. Granateinschläge doch noch sehr vom Bürgerkrieg geprägt. Zum Einen weil vielen Libanesen einfach das Geld für die Renovierung bzw. zum Neubau ihrer Häuser fehlt, zum Anderen aber auch weil bei vielen Gebäuden die Eigentumsverhältnisse nicht abschliessend geklärt werden konnten. Dazu kommt, dass bei einigen sehr stark betroffenen Hotelbauten im Zentrum von Beirut noch kein neuer Investor gefunden werden konnte und einige zerstörte Gebäude sollen angeblich auch quasi als Mahnmal so stehen bleiben.

Speziell im Zentrum von Beirut hat man oft den Eindruck, dass mindestens jeder zweite Libanese für die Polizei, das Militär, den Geheimdinst oder alles dazwischen arbeiten müßte. Im gesamten Libanon ist die Ordnungsmacht in all ihren Facetten und schillernden Farben mehr als nur präsent. Als wir in Beirut waren, war dummerweise auch noch gerade Sitzungsperiode im Parlament, so dass jeden Tag und Abend andere Straßen um das Parlamentsgebäude gesperrt waren und wir täglich schwerbewaffnete Soldaten fragen mußten welchen Weg wir denn nun mal gehen dürften um in unser Restaurant bzw. Hotel zu gelangen. Zudem muss man immer damit rechnen, dass man unmittelbar nach dem Fotographieren der zahlreichen Sehenswürdigkeiten von zivil gekleideten Mitarbeitern des Geheimdienstes angehalten wird. Anschliessend durchsuchen diese netten Menschen dann die Rucksäcke und Handtaschen und lassen sich die Kamera zeigen um die aufgenommenen Bilder zu kontrollieren. Und vor jedem größeren Einkaufszentrum laufen Security-Mitarbeiter mit Metalldetektoren herum, die einen abtasten bzw. die Taschen wieder durchsuchen – alles schon ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Auch die Tatsache, dass man auf den Überlandfahrten an jeder innerlibanesischen Grenze von Militär- bzw. Polizeistreifen kontrolliert wird, hat für uns Deutsche – die wir diese Grenzkontrollen zwischen den einzelnen Bundesländern ja nun mal nicht gewohnt sind – etwas sehr befremdliches an sich. Reist man gen Süden gibt es je näher die israelische Grenze kommt auch immer mehr UN-Militärfahrzeuge zu sehen. Auch die im Süden vermehrt vorhandenen gelben Plakate, Fahnen und Aufrufe der Hizbollah zum Kampf gegen die israelische Besatzungsmacht lassen so manchen Touristen an der Sicherheitslage im Land doch etwas zeifeln.

Generell kann man aber sagen, dass die Uniformierten auch nur ihren Dienst schieben und sich mit den meisten sehr nett reden lässt. Als wir bsw. einmal auf dem Weg zum Nationalmuseum waren und ein Schreibwarengeschäft suchten, fragten wir einfach einen der Panzerfahrer, die das Gelände der französischen Botschaft bewachten. Der gute Mann, von dem logischerweise nur der Kopf aus dem Panzer herausragte, gab uns sehr freundlich Auskunft und meinte dann bedauernd, dass er uns den Weg leider nicht bringen könnte, da er seinen Panzer nicht verlassen dürfe..:) Naja, wir haben das Geschäft auch so gefunden.

Abschliessende Beurteilung: Obwohl Militärs und Polizisten mit Maschinengewehren, ständige Straßen- und Taschenkontrollen und gepanzerte Fahrzeuge im Innenstadtbereich mein persönliches Sicherheitsgefühl nicht gerade erhöhen, so muss ich doch gestehen, dass ich mich im Libanon niemals unsicher oder gar bedroht fühlte.

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