Was muss man alles so beachten wenn man sich schlussendlich doch zu einer Reise  in den Libanon entschlossen hat?

Zunächst mal das Wichtigste – das liebe Geld:

Hier sei allen Westeuropäern gesagt: Vergesst den Euro – er ist im Libanon nicht so richtig bekannt. Es ist wirklich sehr merkwürdig: Obwohl dieses Land von den Sprachkenntnissen übers Essen bis zum Schulsystem so unglaublich frankophon ist, so ist es auf der anderen Seite aber auch absolut amerikahörig und himmelt den US$ an. Geld zu bekommen ist im Libanon kein Problem – Hotels und Banken tauschen Bargeld ein und in fast jeder Straße steht ein Geldautomat, der einen fragt ob man die einheimische Währung (ein libanesisches Pfund (LPB), das sich theoretisch auch noch in 100 Piaster aufteilt – reine Theorie, kenne niemanden, der eine Piastermünze besitzt!) haben möchte oder lieber gleich den US$. Warnung: Keine Euro als Bargeld mitnehmen, damit macht man nur Verluste. In unserem Hotel z.B. bekam man für einen Euro 1800 LPB, für einen US$ immerhin 1500 LBP. Manchmal ist es echt lustig – so wurde ich vom Reisebüro gefragt ob ich die Rechnung in Euro (500) oder in US$ (600) zahlen möchte..:) Theoretisch braucht man wirklich keine LBP, da man selbst beim Bäcker mit Dollar klarkommt.

Als zweites stellt sich natürlich auch immer die Frage „mache ich eine Rundreise und wechsel ständig das Hotel oder quartiere ich mich irgendwo fest ein und unternehme Tagesausflüge?“. Diese Frage ist im Libanon relativ leicht zu beantworten: Es ist kein Problem sich in der Hauptstadt Beirut ein Hotel zu suchen und von dort aus das Land zu erkunden. Schliesslich handelt es sich um ein recht kleines Staatsgebiet und Beirut liegt ziemlich genau in der Mitte der Küstenlinie – ca. 100km Küsten gen Norden nach Tripoli und 100km Küsten gen Süden nach Tyre. Und auch alle anderen sehenswerten Gebiete (Gebirge mit Zedernwald, Baalbek, das Qadisha-Tal, die Grotte von Jaita, die Wasserfälle bei Mezzine, die Beqaa-Ebene etc.) sind von Beirut aus bequem zu erreichen – selbst ein Tagesausflug in die syrische Hauptstadt Damaskus ist problemlos machbar. Wir haben es zumindest sehr genossen, dass wir abends wieder in „unser“ Hotel zurückkamen und morgens wie abends keine Zeit mit Packen vergeudeten.

Die letzte Frage, die wir uns vor der Abreise stellten, lautete „Buchen wir die Ausflüge über ein Reisebüro oder reisen wir auf eigene Faust?“. Generell ist das Reisen auf eigene Faust ne sehr schöne Sache – im Libanon kann es aber manchmal kompliziert werden. Beispiel Taxi: Viele Taxifahrer vergessen oft plötzlich ihre gesamten Englisch- und Französischkenntnisse wenn es ums Bezahlen geht. Da wird dann oft argumentiert, dass der Preis ja selbstverständlich pro Person und nicht pro Strecke gemeint sei – obwohl vorher auf englisch genau das Gegenteil besprochen wurde u.ä.. Bei Fahrten zu größeren Hotels oder Einkaufszentren hilft dann manchmal der dezente Hinweis, dass man sich mal mit dem Empfangsmitarbeiter unterhalten werde, denn viele Taxifahrer befürchten diese begehrten Plätze bei zu vielen Beschwerden zu verlieren! Busfahrten sind theoretisch durchaus möglich und auch sehr preiswert – Problem ist hierbei, dass die Abfahrtszeiten und -orte oft eher als Möglichkeit denn als verbindlich angesehen werden. Wir haben uns entschlossen unsere Ausflüge über das Reisebüro Nakhal zu buchen und sind damit super gefahren. Zunächst einmal beinhalteten die Touren einen kostenlosen Shuttle vom/zum Hotel und dann fanden die Fahrten stets in Kleinbussen mit meist vier bis acht Personen statt – nur einmal hatten wir einen großen Reisebus. Der Vorteil – speziell bei diesem Reisebüro – sind zum Einen die recht besonnen und gut fahrenden Busfahrer und zum Anderen die hervorragend ausgebildeten und zudem noch überaus sympathischen Reiseleiterinnen, die wirklich jede Frage – von den kulturhistorischen bis zu den politisch heiklen – beantworten konnten und die Touren je nach Wunsch auf Englisch, Französisch und Arabisch erklärten. Die Ganztagestouren dauern immer von 08:00 Uhr morgens bis 16:00 oder 17:00 Uhr und beinhalten neben der Tour an und für sich auch immer den Hotelshuttle und ein äußerst sättigendes arabisches Mittagessen. Kostenpunkt ist zwischen 50 und 80US$ pro Person und Tag, ab drei Touren gibt es Rabatte bzw. auch mal nen kostenlosen Flughafentransfer.

Zum Abschluss noch ein kleiner Hinweis für alle Eisenbahnfreunde: Das Schienennetz der einstmals stolzen libanesischen Bahn ist nicht mehr existent. Es gibt keine funktionierende Verbindung mehr, da während der letzten Jahrzehnte Bürgerkrieg die Libanesen beschlossen, den Gleiskörper entweder zum eigenen Hausbau zu verwenden oder die Schienen direkt als Altmetall zu verkaufen. Insofern ist die oft beschriebene und sicherlich faszinierende Bahnstrecke von Beirut nach Damaskus nicht mehr machbar!

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