Als ich meinen Freunden, Verwandten und Kollegen Ende Oktober erklärte, dass ich in der Adventszeit mal wieder Urlaub nehmen würde, war noch niemand erstaunt. Schliesslich erinnerten sich die meisten noch daran, dass ich die beiden letzten Jahre den Dezember in Skandinavien bzw. im Baltikum verbracht hatte. Als ich dann aber mein Reiseziel „LIBANON“ nannte, da waren doch mal wieder alle überrascht. Die Reaktionen reichten vom einfachen Unwissen „Nord- oder Südafrika?“, „Ist das nicht gleich hinter Indien?“ bis zu komlettem Unverständnis „Bist Du verrückt? Da ist Bürgerkrieg – entweder ein bekloppter Shiit jagt dich mit seiner selbstgebauten Bombe in die Luft oder nicht weniger bekloppte Israelis schiessen mit ihren tollen Präzisionswaffen mal wieder total daneben!“

Auf die Frage warum es denn nun ausgerechnet der Libanon sein soll, hatte ich zugegebenerweise auch nur recht schwammige Antworten, die auch sofort gekontert wurden. Meine Begründung „Da war ich halt noch nie so richtig“ wurde mit „Du warst auch noch nie in Südafrika, Peru oder auf Malta, dann flieg doch da mal hin“ erwidert. Meinem Argument „das war ein Superschnäppchen bei Lufthansa“ wurde „zwei Wochen Türkei im Dezember sind auch sehr günstig“ entgegnet.

Auch die Erklärung, dass ich tolle Fotos einer Freundin gesehen habe, dich im Sommer für drei Wochen mit ihrer kompletten Familie im Libanon war, fand kein Erbarmen. Die gute Frau sei schliesslich als Einheimische vorbelastet und nicht objektiv. Außerdem zeige man ja eh immer nur die positiven Bilder aus dem Urlaub und alles Negative werde spätestens auf der Rückreise verdrängt. Und als ich dann irgendwann mal aus Versehen erwähnte, dass sie mit dem Auto von Hamburg aus in den Libanon gefahren ist, war die einhellige Meinung „na, wenn die eh genauso verrückt ist wie du…“

Schlussendlich blieb mir nur noch übrig auf den Tagesausflug hinzuweisen, den ich im Frühjahr diesen Jahres mit einer Freundin und ihrer Schwester von Damaskus aus nach Beirut unternommen habe. Und bei dem ich feststellte, dass ich die Stadt Beirut für sehr interessant und sehenswert halte. Aber spätestens als ich auf die Frage weshalb wir denn damals eigentlich nach Beirut gefahren sind, wahrheitsgemäß antworten mußte, dass die kleine Schwester unbedingt zu McDonalds wollte und es in Syrien ja noch keinen gäbe – ja, spätestens in diesem Moment fing auch der letzte an seinen Kopf zu schütteln und sowas wie „Dir ist einfach nicht mehr zu helfen“ zu murmeln.

Insofern bin ich also trotz aller Vorwarnungen im Dezember für zehn Tage mit einer Freundin in den Libanon geflogen und ich muss jetzt einfach mal allen Zweiflern sagen: Es lohnt sich – der Libanon ist einfach TOLL!

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