Anfang Juni habe ich mit einer Freundin Urlaub in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), genauer gesagt in Dubai gemacht. Eigentlich hatte ich ja noch nie in meinem Leben vorgehabt nach Dubai zu fliegen, aber da es im April ein sehr preiswertes Angebot seitens eines namhaften Kaffeehändlers gab, haben wir uns kurzentschlossen zu diesem einwöchigen Pauschalurlaub mit Rail & Fly, Flug, Transfer, Hotel mit Verpflegung sowie vorgefertigtem Ausflugsprogramm durchgerungen. Der Flug war wirklich billig gewsen. Und ich muss sagen – es war schon interessanter als ich gedacht hatte. Das Hotel war okay (Extrabewertung folgt), die Reisegruppe relativ klein (10 Personen) und das Ausflugsprogramm schon recht nett. Allerdings gab es auch einige (kulturunabhängige) Probleme wie z.B. das Wetter und die Reiseleitung.

Zum Wetter: Die Behauptung, die VAE seien im Juni ein wenig heiß und die Luft etwas drückend ist gelinde gesagt eine bodenlose Untertreibung. Wir kamen abends in Dubai an und prallten erst einmal beim Verlassen des Flughafens gegen eine unglaubliche Hitzewand! Mir war das ja vorher klar gewesen und ich machte mich stante pede auf in unser klimatisiertes Hotelzimmer, aber meine Reisebegleiterin – ein total durchtrainierter und stark untergewichtiger laufender Meter – wollte partout noch etwas unternehmen  und machte sich auf den Weg zu unserem Nachbarn, einem 24-Stunden-Supermarkt. Nach einer knappen Viertelstunde kam sie schweißgebadet und total erschöpft wieder im Hotel an und fiel nur noch ins Bett – ja, wer nicht hören will..:))

Thema Reiseleitung: Unsere Reiseleiterin war eine durchaus nette und sympathische junge Frau mit einer recht wechselvollen eigenen Geschichte (Bulgarin mit wunderbarem österreichischen Slang) – leider hatte die gute Dame aber keine Ahnung von ihrem Job und war auch der deutschen Sprache nicht so ganz mächtig. Insofern war das interessanteste immer dann wenn sie von ihren eigenen Erlebnissen als fremde Gastarbeiterin in Dubai erzählte. So zeigte sie mir z.B. ihren Arbeitsvertrag, der ganz klar aussagte, dass sie nach Auslaufen des Vertrages exakt 72 Stunden Zeit hat um das Land zu verlassen – ansonsten verbringt sie die restliche Zeit im Knast.

Zum Thema Ausländer haben die meisten Emiratis eh eine sehr interessante Einstellung. Sie können die typisch europäische Angst vor Überfremdung einfach nicht verstehen – kein Wunder, leben sie doch in einem Land mit einem Ausländeranteil von deutlich über 80%! Sehr häufig hörten wir Statements wie „seid doch froh über die Ausländer – dann braucht ihr wenigstens nicht selbst arbeiten!“ – ob das wahre Gastfreundschaft ist??? Generell werden die Ausländer in die zwei klassischen Gruppen „Billiglöhner“ und „Fachkräfte“ eingeteilt. Die „Billiglöhner“, die für das Baugewerbe, den Textilbereich, die Haushaltsdienste und niederste Tourismusjobs zuständig sind, kommen zum größten Teil vom indischen Subkontinent, aber auch Klassiker wie Phillipina und Pakistani sind zu finden. Die „Fachkräfte“ teilen sich wieder auf in die Hochbezahlten aus den USA, Westeuropa, Kanada und Australien und die schlechter bezahlten, meist aus Osteuropa und dem Nahen Osten. Während die Erstgenannten oft Geschäftsleute, Handelsvertreter, Ingenieure, Ärzte, Tierärzte und Tourismusfachkräfte sind, arbeitet die zweite Gruppe oft im einfacheren Dienstleistungssektor, in der Gastronomie und in der Pflegehilfe.

Nun aber zu dem, was Dubai wirklich auszeichnet: Die Liebe zum Gigantismus – alles muß einfach immer das Beste, Teuerste, Höchste, Größte etc. sein, das wirkt so manchmal bei den Stadtrundfahrten ein wenig ermüdend. Es ist zwar toll zu sehen wie hoch Ingenieure heute Gebäude bauen können – aber man darf halt den Emirati nie nach dem warum fragen!! Man macht es weil es machbar ist und weil es sonst irgendwann irgend jemand anderes gemacht hätte – eine Logik, die sich mir nicht immer erschliesst, aber sei`s drum… Und dann machten wir eine Fahrt in die „Elendsviertel“ der Stadt – die reiseleiterin erklärte uns den „sozialen Wohnungsbau“ in Dubai:  Sollte es ein junger Emirati in jungen Jahren noch zu Nichts gebracht haben, er aber trotzdem beschliesst zu heiraten und eine Familie zu gründen, dann bekommt er vom Staat bzw. vom Emir eine kleine Villa, einen noblen Sportwagen und einen Scheck über 100.000$ überreicht. Auf die sofortige Nachfrage meiner Reisebegleitung ob es irgendwelche Einschränkungen gäbe folgte sofort die ernüchternde Antwort: Sollte ein Emirati eine Ausländerin heiraten, dann entfielen die Staatsgeschenke…:))

Nachdem ich nun in den ersten beiden Tagen gelent habe, dass ein Abendessen im Burj-al-arab ab 120€ kostet und dass man den dortigen Hubschrauberlandeplatz nicht besichtigen darf, dass das Hilton in Dubai über eine der größten Skihallen der Welt verfügt und dass man für die „Mall“ einen Touristenführer an die Hand bekommt, dass Dubai gerade ein Dubailand baut, dessen Fassungsvermögen alle Disneyparcs zusammen übertreffen wird, dass ein Hotelkomplex in Dubai damit wirbt mehr Brücken auf seinem Gelände zu haben als Venedig – nachdem ich nun über all diese tollen Errungenschaften der Moderne aufgeklärt wurde, habe ich mich so langsam gefragt, was es hier ein „vorher“ gab und so machte ich mich auf, mir mal ein Museum anzuschauen und ein paar Tagesausflüge zu machen.