Irgendwann wurde es mir in Damaskus zu langweilig und ich überlegte mir welche anderen Orte und Landschaften ich noch sehen wollte und vor allem wie ich sie erreichen könnte. Hier gibt es generell immer vier Möglichkeiten:

a) Mit dem Flieger: Syrian Airlines fliegt zwar relativ viele Städte des Landes an und natürlich ist es die schnellste Möglichkeit des Reisens, aber die Flieger haben auch so ihre Nachteile: Zum Einen sind sie nichts für Kurzentschlossenen, da man die Flugtickets relativ früh im Voraus bestellen muss, zum anderen ist die Häufigkeit, mit der die einzelnen Städte angeflogen werden sehr unterschiedlich – mal gibt es tägliche Verbindungen, mal nur einmal wöchentlich. Zudem kommen noch die höheren Kosten für Flugtickets und anschliessende Taxen ins Stadtzentrum.

b) Mit dem Zug: Ich als alter Eisenbahnfan hatte mir eigentlich fest vorgenommen einmal mit dem Zug zu fahren – allerdings machten mir die abgelegenen Bahnhöfe, die extrem lange Fahrstrecke und vor allem die ausschliesslich nächtlichen Abfahrts- und Ankunftszeiten einen Strich durch die Rechnung. Zugfahren in Syrien ist definitiv nur was für Masochisten….

c) Mit dem Mietwagen: Kam für mich auf Grund der etwas gewöhnungsbedürftigen Fahrweise der Syrer und der horrenden Preise für Mietwagen (wahrscheinlich eben wegen dieser erhöhten Unfallgefahr) auch nicht in Betracht.

So blieb also nur noch d) Mit dem Bus übrig: Busfahren ist in Syrien ein Kinderspiel. An den Ausfallstraßen der Städte befinden sich die sogenannten Pullmann-Stationen – oder wie man in Damaskus sagt „Garage de Bolman“, die Aussprache des Pullmann bereitet doch so einige Schwierigkeiten. Aber nachdem man mich ständig verdutzt angeschaut hatte als ich zur Pullmann-Station wollte, habe ich gelernt und einen der vielen freundlichen Palästinenser in meinem Viertel gefragt wie die Station denn ausgesprochen wird..:))

Es hat den Anschein als ob es in Syrien ungefähr 200 Busgesellschaften mit diesen Überlandbussen gibt – ich habe jedenfalls für jede meiner Strecken eine andere Gesellschaft genommen und bin von keiner enttäuscht wurden. Das Prozedere ist immer identisch: Sobald man die Überlandbusstation erreicht hat kämpft man sich durch Horden von verkaufswütigen Menschen bis zur eigentlichen Verkaufshalle durch. Hier muß man nun nur noch den richtigen Schalter von der Buslinie finden, die das gewünschte Reiseziel ansteuert. Dies gestaltet sich manchmal ein wenig schwierig, da viele Busgesellschaften ihre Fahrtziele nur in arabischer Schrift anschreiben – dann heißt es Schriftzeichen vergleichen oder jemanden fragen. Auf dem Ticket stehen dann so interessante Sachen wie Abfahrtszeit, Sitzplatz und Bussteig – leider auch wieder nur in arabischen Schriftzeichen! Aber irgendwann hat man schlussendlich nach vielen Fragen seinen Bus und sogar seinen Sitzplatz erreicht und die Fahrt kann losgehen. Zum Ruhen oder Schlafen eignet sich so eine Fahrt nur begrenzt, da Syrer sehr gern Videos in voller Lautstärke in ihren Bussen zeigen!! Dafür wird einem aber immer Wasser gereicht. Am Anfang geht der Beifahrer noch mit einer nach Mineralwasserflasche aussehenden Flasche durch den Bus – spätestens bei der ersten Pause sieht man dann jedoch wie diese Flasche dann aus einer Art Regentonne aufgefüllt wird..:) Egal, mir ist nie was dabei passiert! Die Endstationen der Überlandbusse liegen dann wieder ein wenig abseits an den großen Ausfallstraßen der Städte, aber zeitgleich mit dem Bus trifft auch immer eine Heerschar von Taxen am Busbahnhof ein – dieses Zusammenspiel klappt wirklich ganz hervorragend.