Irgendwie ist eine Reise in die europäische Hauptstadt Brüssel doch immer wieder was Besonderes. Das beginnt schon beim Check In am Hamburger Flughafen. Auf keinem anderen internationalen Flug von Hamburg aus gibt es zum Einen so viele Personen, die lediglich mit Handgepäck reisen und zum Anderen so viele Geschäftsreisende mit Kleidchen oder Anzug. Zudem hört man selten so ein Sprachenwirrwarr wie auf diesen Flügen – man merkt eben gleich, dass man in eine Multi-Kulti-Stadt fliegt. Dann die Ankunft in Brüssel. Ganz belgisches understatement wird man begrüßt mit „welcome to europe“ – ein wenig merkwürdig wenn man aus Hamburg anreist, aber was soll`s..:)

Und dann die Stadt selbst – so zwiespältig wie kaum was anderes. Auf der einen Seite tiefste belgisch-französische Provinz mit all den negativen Eigenschaften und Vorurteilen, die man so kennt: Brüsseler beherrschen zwar durchaus verschiedene Sprachen – weigern sich aber meist in irgendeiner nichtfranzösischen Sprache mit einem zu kommunizieren. Erst wenn man im Hotel, Geschäft, Restaurant etc. stur bleibt und ne Viertelstunde wartet bequemt sich jemand einen dann auch in Englisch oder Deutsch – beides wird definitiv fast überall gesprochen – zu bedienen. Für eine Stadt, die sich selbst gern als das Zentrum und den Schmelztiegel Europas bezeichnet schon ein wenig beschämend. Andererseits hört man in allen Geschäften und Restaurants zu fast jeder Tages- und Nachtzeit wunderschön viele verschiedene Sprachen. Wir sassen am Freitag abend in einem netten Thai-Restaurant und konnten die Leute an unseren Nachbartischen sich auf Englisch, Französisch, Schwedisch und einer osteuropäischen Sprache unterhalten hören – das hat schon was.. 

Und dann erst die „Architektur“ in Brüssel. Das Europaviertel – ehemals Quartier Leopold – überrascht einen jedes Mal aufs Neue mit noch hässlicheren Gebäuden – und das will schon was heißen. Die Geschmacksverwirrung einiger Architekten und/oder Städteplaner ist hier schon geradezu umwerfend. Alte und teilweise echt schöne Gebäude werden abgerissen und durch protzige Glasbauten ersetzt, an denen auch der ehemalige rumänische Diktator Ceausescu seine helle Freude gehabt hätte. Trotz allem findet man hier und da zwischen all den Protzbauten versteckt noch einige schmucke alte Villen und Häuser wie beispielsweise direkt am Leopoldspark. Insgesamt muß man aber wohl attestieren, dass selbst der Begriff „Denkmalschutz“ in Brüssel anscheinend schon unter ebendiesen gestellt werden muß – was angesichts der ehemals tollen Gebäude wirklich schade ist. Andererseits gibt es natürlich den Grand Place mit dem Hotel de Ville und all den anderen wunderschönen Zunft- und Gildehäusern. Lohnenswert ist auch immer noch ein Bummel durch das „Marollen“ – Viertel, das sich direkt neben dem Justizpalast befindet. Der Justizpalast besticht förmlich durch seine pompöse Art. Der damalige Architekt erhielt den Auftrag, den Justizpalast als Zeichen der irdischen Rechtsstaatlichkeit in Belgien größer als alle kirchlichen Bauwerke seiner Zeit zu machen und so entstand das größte Bauwerk des gesamten 19. Jahrhunderts. Das ehemalige Arme-Leute-Viertel hat immer noch einen sehr urigen Charme obwohl sich inzwischen auch immer mehr „Europa“-Yuppies hier einnisten und die Mieten in keinem anderen Brüsseler Viertel in den letzten Jahren so explodiert sind wie hier.

Alles in allem: Ein Wochenendtrip nach Brüssel lohnt sich immer noch!

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