Das letzte Wochenende habe ich in der Schweiz verbracht. Die Wahl der Anreise fiel diesmal sehr leicht, da ich endlich genug Bahn-Bonus-Sammelpunkte hatte um damit die Strecke Kiel-Basel-Kiel einzulösen. Insofern machte ich mich am Donnerstag abend mit dem „Nacht-ICE“ auf nach Basel. Nach knapp 12 Stunden kam ich um kurz vor sechs Uhr morgens in Basel an und nahm dann gleich den nächsten InterCity nach Bern. Durch die Anreise ein wenig gerädert suchte ich mir erst einmal ein einigermassen erschwingliches Cafe zum Frühstücken – was in der Schweiz ja nicht immer so einfach ist. Obwohl ich zugeben muß, dass die Preisschocks nicht mehr ganz so groß sind wie früher – dem starken Euro sei Dank! Und eine Sache ist in der Schweiz sogar günstiger als bei uns – das Tanken. Während ich bei uns in Schleswig-Holstein mich immer freue wenn Super mal unter 1,20€ kostet, so sind in Bern alle Preise immer unter einem Euro geblieben. Dafür ist es aber sehr schwer in Bern einen Kaffee für unter 2,60€ zu bekommen oder für eine Kugel Eis weniger als 2,20€ zu zahlen!!!

Aber nun genug von den Preisen: Bern ist eine wirklich schöne kleine Stadt, die man bis auf wenige Ausnahmen wirklich gut zu Fuß erkundigen kann. Wenn man den Stadtrundgang am Bahnhof beginnt – hier gibt es auch eine recht gut sortierte und hilfreiche Tourist-Info – dann kann man eigentlich die Hauptstraße, die zwischendrin ständig ihren Namen wechselt, einfach immer geradeaus gehen und passiert dabei so ziemlich alle Sehenswürdigkeiten. Das Schöne an der Berner Altstadt ist nämlich, dass sie durch die Aareschlaufe (die Aare ist der Fluß, der durch Bern fließt) räumlich sehr begrenzt ist. Zuerst passiert man die Heiliggeist-Kirche und spaziert die Spitalgasse entlang bis zum Bärenplatz (hier ist täglich bis auf sonntags Markt). Überquert man den Bärenplatz erreicht man quasi automatisch den Bundesplatz mit dem dazugehörigen Bundeshaus (das ist der Sitz der eidgenössischen Regierung) und den davor gelegenen Bundesterrassen. Von hier hat man bei entsprechendem Wetter eine wunderbare Sicht – sowohl hinab auf das Tal der Aare als auch in die Ferne auf`s Alpenpanorama: Eiger, Mönch und Jungfrau sind dann sehr gut zu sehen. Zurück über den Bärenplatz geht man nun die Marktgasse weiter bis zum nächsten Wahrzeichen – der Zytglogge. Früher das Westtor der Stadt, heute bewundert man in erster Linie die astronomische Uhr, die wirklich sehr beeindruckend ist. An dem Zytglogge kann man nun kurz nach links auf den Kornhausplatz mit Kornhaus (wen wunderts) und Stadttheater gelangen. Ein traumhafter Platz um im Sommer draussen zu sitzen und die Sonne zu geniessen. Selbstverständlich fehlen auch die Cafes und Restaurants nicht. Geht man weiter auf die Kornhausbrücke hat man wieder nen tollen Blick! Durch die Zytglogge hindurch weiter geradeaus – die Straße heißt nun Kramgasse – passiert man das „Einstein-Haus“. Zwar hat der gute Mann in diesem Haus nur zwei Jahre gelebt, aber es waren halt die Entscheidenden – so wurde hier z.B. zum ersten Mal die Formel E=mc² aufgeschrieben. Kurz nach dem Einsteinhaus geht es rechts zum Berner Münster, dem größten Kirchenbau in der gesamten Schweiz. Sehr gern fotografiert wird das Eingangsportal – hier ist das Jüngste Gericht dargestellt. Die Sportlichen haben auch die Möglichkeit für einen kleinen Obulus den Turm hinaufzusteigen. Wie immer gehört auch zum Münster ein Münsterplatz und die Münsterterrassen – diesmal mit einem wunderschönen Blick auf das Wehr der Aare. Wieder zurück auf der Hauptstraße – momentaner Name Gerechtigkeitsgasse – kann man links zum Rathaus und zur katholischen Peter-Paul-Kirche gelangen. Beide Gebäude sind von außen allerdings eher unscheinbar. Am Ende der Gerechtigkeitsgasse verlässt man über die Nydeggbrücke die Altstadt und gelangt sofort zum Bärengraben – einer unter Tierfreunden höchst umstrittenen Attraktion der Stadt. Hier haust ein einsamer und eher träge und gelangweilt aussehender Bär namens Pedro in einem Graben und dreht dort so seine Runden. Während man vor wenigen Jahren noch darüber nachdachte, den Bärengraben aufzugeben und den Bären in den Berner Tierpark zu integrieren, so hat man nun eine andere Lösung gefunden. Das ganze Areal ist momentan eine Baustelle und bis Ende des Jahres soll aus dem Bärengraben ein ganzer Bärenpark mit mehreren Tieren werden.

Einige wenige Sehenswürdigkeiten liegen etwas außerhalb: Am interessantesten für Kunstliebhaber ist sicherlich das Paul-Klee-Zentrum im Osten der Altstadt mit den wichtigsten Werken des Künstlers. Im Süder der Altstadt liegt der Helvetiaplatz mit Kunsthalle, alpinem Museum und dem Historischen Museum, in dem sich das größte Albert-Einstein-Museum befindet. Vom Helvetiaplatz aus kann man bequem zu Fuß herab zur Aare gehen und es sich dort beim Schwellenmätteli – einem Restaurantbetrieb direkt am Wehr gelegen – gut gehen lassen. Problem: Das Wehr ist so laut, das eine Unterhaltung nur schwer möglich ist. Und dann gibt es in Bern noch das Westside – ein dezent futuristisch anmutendes sogenanntes Shopping- und Einkaufszentrum, das vom Stararchitekten Daniel Libeskind auf einer grünen Wiese im Westen der Stadt entworfen wurde. In diesem irgendwie immer sonnendurchfluteten Center befinden sich neben einigen Shops und Restaurants auch das größte Kino Berns, ein Seniorenstift, der größte Wellnesstempel der Stadt mit Hallenbad, Wasserrutschen, Thermenlandschaft, Fitnessclub etc. und ein Hotel der Holidy Inn – Gruppe. Momentan wirkt das ganze noch sehr künstlich und ein wenig irreal, aber die emsigen Bautätigkeiten um das Areal herum lassen ahnen, dass es shon bald anders aussehen wird..

Auf alle Fälle ist Bern eine Stadt, die einen Besuch lohnt – ich werde wiederkommen!

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