Als ich im letzten Winter von einer guten Freundin gefragt wurde ob ich nicht Lust hätte sie bei einem Verwandschaftsbesuch ins syrischen Damaskus zu begleiten, war meine erste Reaktion wie eigentlich immer:  „Super, da war ich ja noch nie – wann soll es losgehen?“

Ein wenig später – inzwischen stand fest, dass unsere Reise in der ersten Märzhälfte 2009 stattfinden würde – begann ich mich dann zu fragen, was ich eigentlich über Syrien im allgemeinen, Damaskus im speziellen und ganz besonders die Palästinenserfrage (die Verwandte lebt wegen ihres palästinensischen Ehemannes in Damaskus) wußte – und ich muss gestehen: Mein Wissen hält sich in Grenzen.

Natürlich weiß ich, dass Syrien von George W.  zur „Achse des Bösen“ gezählt wurde – was das Land ja schon mal sympathisch macht. Natürlich finde ich es ein wenig befremdlich, dass in dieser „lupenreinen Demokratie“ der Job des Staatspräsidenten vererbt wird. Natürlich weiß ich, dass sich Syrien an fast allen Kriegen gegen Israel beteiligt hat und noch heute keinen Friedensvertrag mit dem Feind geschlossen hat. Natürlich weiß ich, dass ich mit einem syrischen Stempel im Reisepass nicht mehr nach Israel einreisen darf. Natürlich ist mir klar, dass die Palästinenser in Syrien – wie auch im benachbarten Libanon –  nicht eingebürgert werden (obwohl sie teilweise seit geraumen Jahrzehnten dort leben) sondern immer noch den Flüchtlingsstatus besitzen.

Aber mir ist halt auch bewußt, dass Syrien eine jahrtausende alte Kultur besitzt, dass Damaskus als älteste dauerhaft besiedelte Stadt der Menschheitsgeschichte gilt, dass in Ugarit das erste Alphabet entwickelt wurde, dass man in Maluula immer noch aramäisch spricht, dass man in Bosra und Palmyra Reisen ins alte Rom unternehmen kann, dass es in Syrien wunderschön erhaltene Kreuzfahrerburgen gibt, dass es entlang des Euphrats (Mesopotamien bestand ja schliesslich nicht nur aus dem heutigen Irak) Ausgrabungsfunde gibt, die weit über 12.000Jahre alt sind etc. etc.

Trotz allem war die meistgestellte Frage, die mir gestellt wurde wenn ich mein nächstes Reiseziel angab: „Was willst Du denn da? Da fährt doch sonst keiner hin!“ Ich bin hingefahren – und davon nun und in Kürze mehr!

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