Wie immer war die erste Frage die der Anreise. Die Anreise per Bus oder Bahn aus Deutschland kam schon aus Zeitgründen nicht in Betracht und meine Reisebegleiterin bestand ziemlich resolut auf der Anreise per Flieger und zwar ausschliesslich mit Turkish Airlines, da man dort quasi unbegrenzt Gepäck befördern darf. Offiziell zwar nur 30kg pro Person – aber das ist halt blanke Theorie…

Mein Plan wäre es ja eigentlich einen Billigflieger nach Antalya oder Ankara zu nehmen und dann per Bus auf dem Landweg nach Syrien zu reisen – eine Reiseroute, die in meinem Reiseführer als äußerst bequem und landschaftlich total sehenswert beschrieben wurde. Aber was soll`s – Mann beugt sich ja der sanften Gewalt und so buchten wir also für knapp über 330€ jeweils ein Ticket von Hamburg über Istanbul nach Damaskus und zurück.

Vor der Reise hiess es dann nur noch Koffer packen – aber dieser Begriff war in unserem Fall wirklich sehr irreführend, denn wir packten keine Koffer sondern einen mittelprächtigen Haushalt! 15 kg Kosmetika, knapp 30 Tafeln Milka-Schokolade, Geschenke für ca. 40 Kinder, diverse Haartönungen, Klamotten, Fensterfarben etc. fanden ihren Weg in unsere Koffer und Reisetaschen. Obwohl wir nur zu zweit waren erschienen wir dann eines Morgens am Hamburger Flughafen mit dem Gepäck einer klassischen türkischen Großfamilie – was zum Glück bei unserer Fluglinie nicht weiter auffiel. Da meine Reisebegleiterin ständig von den ewig langen Schlangen bei Turkish Airlines erzählte, die sie auf ihrem letzten Flug nach Syrien erlebt hatte, waren wir also gute 160 Minuten vor dem geplanten Abflug am Flughafen und es kam wie es kommen mußte: Die Schlange vor uns bestand aus einer einzigen Person und obwohl sich der Mitarbeiter beim Check In selten dämlich anstellte und es wirklich nicht schaffte unser syrisches Visum im Reisepass zu finden – eine echte Meisterleistung – so hatten wir doch innerhalb von knapp zehn Minuten sämtliche Pass-, Boarding Card- und Sicherheitskontrollen hinter uns gelassen und warteten also noch zweieinhalb Stunden auf unseren Flieger, der dann natürlich auch noch Verspätung hatte. Irgendwann kamen wir dann aber doch noch in Istanbul an und verbrachten die nächsten acht Stunden im dortigen Transitbereich…

Kurz vor dem Abflug hatten wir dann noch eine Begegnung der dritten Art: Eine junge Türkin kam auf uns zu und fragte uns im besten Hochdeutsch: „Sie sind doch auch Deutsche – wissen Sie ob man für Syrien seit neuestem ein Vorabvisum braucht?“ So kann man sich täuschen – die Türkin, die sich mit ihrer Familie die ganze Zeit über auf türkisch unterhalten hatte, hatte auch einen deutschen Pass und fragte uns ob wir deutsch sein..:)) Herrlich!! Wir erzählten ihr dann, dass wir unser Visum vorab von der syrischen Botschaft erhalten hatten, dass wir aber natürlich nicht so genau wüßten ob auch die Möglichkeit besteht, sich ein Visum direkt bei der Ankunft zu besorgen.

Nachdem wir um 05:00 Uhr morgens mit dem Bus von Kiel nach Hamburg gefahren sind landeten wir also gute 22 Stunden später mitten in der nacht in Damaskus und hatten nun nur noch die örtlichen Einreiseformalitäten vor uns.  Zuerst besorgten wir uns eines der tollen Einreiseformulare und amüsierten uns über einige der Fragen. Erforderliche Angaben sind zum Beispiel die Vornamen der Eltern (wohlgemerkt nur die Vornamen), der Aufenthaltsort in Syrien (Hotel Sindbad ist hier sehr beliebt) und das Geschlecht der Reisebegleitung. Das Schöne ist nun, dass man hier ja alles mögliche angeben kann, da keine dieser Antworten irgendwie nachprüfbar und die Fragen damit absurd bzw. total sinnentleert erscheinen. Aber nun gut: Wir füllten auch dieses Formular aus und stellten uns dann in die Schlange für „other passports“ an – Alternativen wären „syrian“ und „arabian“ gewesen und wir dachten uns, dass das ja auch nicht besser passen würde. Als nur noch wenige Personen vor uns in der Schlange waren wurde unser Schalter natürlich geschlossen und wir durften wieder von Neuem mit dem Anstellen beginnen..:)

Irgendwann hatten wir es aber doch geschafft und betraten die Ankunftshalle des Flughafens, wo wir bereits von unserer Bekannten, ihrem Ehemann und einem seiner Brüder erwartet wurden. Nachdem wir es schafften unseren kompletten Hausrat im Mietwagen zu verstauen machten wir uns auf den Weg ins Yarmouk-Camp – der palästinensische Stadtteil von Damaskus, der für die nächsten zwei Wochen unser Zuhause sein sollte. Todmüde aber glücklich kamen wir also nach knapp über 24stündiger Anreise bei unseren Gastgebern an!

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