Man spricht Deutsch

In diesem Februar habe ich es endlich einmal gewagt und einen Pauschalurlaub gebucht – eine Woche all inclusive in einem „Vier“-Sterne-Hotel an der türkischen Riveira nahe Side! Und ich muß sagen: Pauschalurlaub ist hardcore und absolut nichts für Zartbesaitete!!

Aber der Reihe nach: Die Organisation des Reiseveranstalters Öger Tours war wirklich gut. Die An- und Abreise (Flug Hamburg – Antalya – Hamburg sowie der Transfer zwischen Flughafen und Hotel) verliefen absolut unproblematisch.

Kurz zum 1986 erbauten Hotel: Das Äußere entsprach dem Charme der klassischen osteuropäischen Plattenbauweise, glücklicherweise war das Hotel aber nur fünfgeschossig und damit nicht so pompös wie viele andere Bettenburgen, die wir noch zu Gesicht bekamen. Das Außengelände des Hotels war zu dieser Jahreszeit natürlich noch ziemlich verwaist (wenn man mal von den Baracken für die Hotelmitarbeiter absieht) und auch der Pool wartet sicher noch immer auf den ersten Badegast 2009. Für das Abendprogramm im Hotel sorgten zwei bemitleidenswerte Animateure, die verzweifelt versuchten die ostdeutschen Rentner mittels Bingo und Bauchtanz zu beglücken. Ein geradezu aussischtsloses Unterfangen, da die einen Gäste ab 21 Uhr schliefen und die anderen anscheinend die komplette Zeit zwischen Abendessen und Frühstück an der Bar verbrachten um das all inclusive Angebot auch ja auszukosten – wobei das an dieser Stelle definitiv das falsche Wort ist!

Das Essen war weitaus besser als ich es nach so einigen Horrorgeschichten aus der Türkei erwartet hatte – es gab stets ein wirklich abwechslungsreiches Buffett und die Kellner waren allesamt nett und freundlich. Das Zimmer war auch ganz in Ordnung – zumindest was Ausstattung und Größe anging.  Die Fernsehsender wechselten zwar fast täglich ihre Sendeplätze, aber damit kann man ja wirklich leben. Anstrengender waren da schon die Nachbarn, die auf Grund des Alters den Fernseher stets sehr laut stellten bzw. ständig am Husten und Keuchen waren, was bei diesem sehr hellhörigen Hotel schon etwas stressig war. Das Badezimmer war sehr schlicht und einfach gehalten, aber immerhin sauber. Natürlich entsprach die Badewann eher südeuropäischen Normen und war für etwas kräftiger gebaute Mitteleuropäer nicht benutzbar..:)

Nun zum Wellnessbereich: Laut unserer Reisebeschreibung gehörte zu unserem Hotel auch ein Wellnessbereich, der für die all inclusive Gäste umsonst sein sollte. Im Hotel selber las sich das dann wie folgt: Das beheizte Schwimmbad befand sich quasi im Restaurant und stand den Hotelgästen zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 14 und 17 Uhr zur Verfügung. Es verfügte über eine Dusche und zwei Umkleidekabinen. Der restliche Wellnesstempel befand sich im Keller – was zumindest bei mir der Wellness nicht gerade förderlich ist – und bestand aus einem Fitnessraum mit insgesamt fünf Geräten aus den 70er Jahren, die allerdings nie alle zeitgleich intakt waren, einem türkischen Bad, dessen Benutzung aber kostenpflichtig war und einer Sauna, die wir zwischen 16 und 18 Uhr benutzen durften. Allerdings erreichte die Sauna, die man natürlich nur mit kompletter Badebekleidung betreten durfte, fast nie Temperaturen von über 60 Grad..:) Sehr schön war allerdings ein Wellness-Kennenlern-Paket, das neben einem Schaumbad und einer Gesichtsmaske auch noch eine sehr schöne Massage enthielt.

Insgesamt kann man sagen, dass sich die türkische Riveira zu einem deutschen Bundesland entwickelt hat. Währung ist der Euro (ich habe in neun Tage nicht eine türkische Lire ausgegeben, da keiner sie haben wollte) und deutsch hat als Amtssprache das türkische inzwischen verdrängt. Apropos verdrängt: Holländisch ist mittlerweile hinter russisch zurückgefallen. Hotels, Apotheken, Ärzte, Reisebüros, Friseure, Supermärkte und Restaurants – überall wurde man auf deutsch angesprochen!! In unserem Hotel waren gut 90% der Gäste Deutsche – auch wenn man sich bei einigen gewünscht hätte, dass dem nicht so sei – und von denen waren wiederum fast dreiviertel Rentner. Die deutschen Hotelgäste kamen – mal abgesehen von einigen Niedersachsen – fast ausschließlich aus den neuen Bundesländern. Viele Gäste waren schon zum zehnten oder fünfzehnten Mal in der Türkei und etliche „überwinterten“ dort auch für zwölf oder mehr Wochen!

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